Behandlungsmöglichkeiten und neue Ansätze bei Duchenne Muskeldystrophie

Für die Duchenne Muskeldystrophie stehen bereits einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung; an weiteren wird geforscht.

Behandlung der Krankheit und ihrer Symptome

Eltern können auf eine Vielzahl von Spezialisten zurückgreifen, um ihrem Kind das Leben mit Duchenne zu erleichtern. Hierzu zählen u.a. Ernährungsberater, Physiotherapeuten und Psychologen. Im Laufe der Zeit werden neue/andere Spezialisten hinzukommen. 
Gemeinsam mit diesem Team kann die Familie die verschiedenen Therapieoptionen für das Kind diskutieren und das weitere Vorgehen, das auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist, planen.

Entzündungshemmende Medikamente

 

Kortikosteroide sind die Wirkstoffe, die bei Duchenne am häufigsten angewendet werden. Sie werden mit dem Ziel verschrieben, das Fortschreiten der Schädigung und Schwächung der Muskeln möglichst zu verlangsamen. Die Wirkung dieser Medikamente beruht zum Teil darauf, dass sie schädliche entzündliche Prozesse in den Muskeln reduzieren. Sie können auch dazu beitragen, dass Herz und Lunge länger kräftig bleiben, und sie verringern auch das Risiko für eine Skoliose (starke Verkrümmung der Wirbelsäule). Die Wirkstoffgruppe der Steroide umfasst mehrere Unterarten; Kortikosteroide sind nur eine davon.

 

Exon-Skipping

Mit dem Verfahren des so genannten Exon-Skippings setzt die Therapie bei der Ursache der Duchenne Muskeldystrophie an: beim fehlenden Protein Dystrophin. Bei vielen Menschen mit Duchenne liegt eine Genmutation (Veränderung des Erbguts) vor, bei der im Dystrophin-Gen ein oder mehrere Exons (Genabschnitte) fehlen. Dadurch kommt es zu Fehlern beim Auslesen des Gens als „Bauplan“ für Dystrophin – entsprechend kann der Körper das Protein nicht herstellen. Beim Exon-Skipping wird neben dem fehlenden Abschnitt ein Exon verdeckt, sodass der gesamte Bereich beim Auslesen übersprungen wird und die Exons davor und danach wieder zusammenpassen. Das Ziel hierbei ist, dass der Körper so zumindest eine verkürzte Form des Dystrophin-Proteins herstellen kann.

Unterdrückung von Nonsense-Mutationen

 

Eine Nonsense-Mutation ist eine Veränderung im genetischen Code, die die Anweisung enthält, die Herstellung eines Proteins vorzeitig abzubrechen. Wenn diese Mutation vorliegt, werden also keine vollständigen, funktionsfähigen Proteine hergestellt. Eine neu entwickelte Therapie soll ermöglichen, dass der Körper diese falschen Signale einfach überliest, also sozusagen die am falschen Ort aufgestellte rote Ampel einfach überfährt. Wenn es dem Körper auf diese Weise gelingt, über die Fehler in der Protein-Bauanleitung hinwegzugehen, kann er möglicherweise wieder das vollständige und funktionsfähige Protein herstellen. In der EU hat bereits ein erstes Medikament, das bei dieser Nonsense-Mutation ansetzt, eine vorläufige Marktzulassung erhalten.

 

Hemmung von Myostatin

Myostatin ist ein körpereigenes Protein, das die Aufgabe hat, das Wachstum von Muskelgewebe zu begrenzen. Es sorgt also dafür, dass Muskeln nicht zu groß und dick werden. Das ist bei Gesunden natürlich sinnvoll, bei Menschen mit Duchenne hingegen kann es die Muskelschwäche noch verschlimmern. Die Hoffnung der Forscher ist nun, dass man durch gezielte Ausschaltung dieses Proteins erreichen kann, dass Menschen mit Duchenne in frühen Jahren mehr Muskelmasse aufbauen. Mit einem solchen früh angelegten „Vorrat“ an Muskelmasse ließe sich dann möglicherweise das Fortschreiten der Krankheit hinauszögern. Dieser Behandlungsansatz wird derzeit in klinischen Studien untersucht.

Antifibrotische Therapien

 

Parallel zur Schwächung und Schädigung der Muskeln im Verlauf der Duchenne-Erkrankung läuft ein Prozess ab, der als Fibrosierung bezeichnet wird. Fibrosen sind ähnliche Gewebeveränderungen wie Narben. Bei der Fibrosierung im Rahmen einer Duchenne Muskeldystrophie wird Muskelgewebe zunehmend durch Fett- und Bindegewebe ersetzt. Dadurch können die Muskeln nicht mehr richtig funktionieren. Forscher untersuchen derzeit in klinischen Studien, ob man mit Medikamenten, die gezielt gegen diesen Fibrosierungsprozess gerichtet sind, das Muskelgewebe schützen kann.

 

Utrophin-Produktion

Utrophin ist ein weiteres Protein, das in Muskelzellen vorkommt. Es ist ähnlich aufgebaut wie Dystrophin und funktioniert auch ganz ähnlich. Utrophin wird in den frühen Phasen der Muskelentwicklung hergestellt, später aber wird die Produktion „stillgelegt“, und stattdessen wird Dystrophin hergestellt. Derzeit prüfen Forscher, ob es möglich ist, die Utrophin-Produktion wieder anzuregen und dadurch den Mangel an Dystrophin auszugleichen. Dieser Behandlungsansatz wird derzeit in klinischen Studien untersucht.

Stammzelltherapie

 

Bei Duchenne Muskeldystrophie führt der Mangel an Dystrophin zur Schwächung und Schädigung der Muskulatur. Im gesunden Körper repariert das Muskelgewebe sich bei Schädigung selbst, doch ohne Dystrophin häufen sich die Muskelschäden immer weiter an, und der Körper kommt mit dem Reparieren nicht mehr nach. Forscher sind der Ansicht, dass es gelingen könnte, Stammzellen von gesundem Muskelgewebe Menschen mit Duchenne zu injizieren, damit sie wieder funktionsfähige Muskelzellen bilden können. Dieses Verfahren ist noch im Frühstadium der Erforschung.

 

Gentherapie

Gentherapeutische Behandlungsansätze bei Duchenne sind noch in der sehr frühen Entwicklungsphase. Das Ziel einer Gentherapie ist es, die korrekte genetische Bauanleitung für ein benötigtes Protein in die Zellen einzuschleusen. Bei Duchenne wäre dementsprechend das Ziel, ein funktionsfähiges Dystrophin-Gen in die Muskelzellen einzubauen. Die große Herausforderung dabei ist, wie man dieses Gen gezielt in die Zelle bringt. Derzeit arbeiten Forscher daran, unschädlich gemachte Viren als „Paketboten“ zu nutzen. Denn Viren bringen von Natur aus ihre Gene in fremde Zellen ein (das passiert bei jeder Infektion); und die Forscher hoffen nun, dass es ihnen gelingt, in einem Virus die krankmachenden Gene zu entfernen und durch die Dystrophin-Bauanleitung zu ersetzen.